Interview mit Michael Kempe von ALTON über steuerliche und rechtliche Hürden im internationalen E-Commerce

Heute dürfen wir Euch Michael Kempe vorstellen, den wir auf der AMZCON in Bonn 2017 kennengelernt haben und mit dem sich mittlerweile schon eine sehr gute Zusammenarbeit entwickelt hat, vor allem wenn Händler oder Hersteller beispielsweise den Schritt in Richtung USA für den Verkauf auf Amazon.com planen. Hier gibt es erfahrungsgemäß viele Fragen und Hürden aus steuerlicher und rechtlicher Sicht, die vorab geklärt werden sollten. Wir als MarktPlatz1 haben hierzu eben auch auf der AMZCON einen Vortrag gehalten.

Bitte stellen Sie sich kurz vor:

Mein Name ist Michael Kempe. Ich bin bei der ALTON GmbH in Wiesbaden, Deutschland beschäftigt. Die ALTON GmbH betreut seit 2005 Klein- und Mittelstandsunternehmen, vorwiegend aus der DACH-Region beim Markteintritt in den USA. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf den administrativen Aufgaben.

Ich betreue im Speziellen den Bereich Online-Handel. Zwei Themen sind dabei stets von besonderem Interesse für unsere Kunden, die Produkthaftung und Sales Tax Abwicklung in den USA. Im Grunde helfen wir für jeden die richtige Aufstellung zur Erschließung des US-Marktes zu finden, sodass ausgehend von einem sicheren Fundament, Umsätze in den USA nachhaltig gesteigert werden können.

Wo sehen Sie die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen im E-Commerce bzw. insbesondere für den Export in die USA?

Grundsätzlich macht es mir den Anschein, dass nicht nur in den USA, sondern auch im PAN Europäischen Online-Handel dem Thema korrekte Abbildung der Umsatzsteuern (Sales Tax in den USA), nicht genug Rechnung getragen wird. Früher oder später wird es hier bei vielen Händlern zu Problemen kommen. Ich würde jetzt nicht sagen, dass Sales Tax eine riesige Herausforderung in den USA ist, vielmehr ist es wesentlich unkomplizierter, als im europäischen Raum. Nichts desto trotz sollte man sich etwas Zeit nehmen, um das Konzept von Sales Tax in den USA zu verstehen und sich richtig aufzustellen.

Worin bestehen die meisten Hürden für deutsche Händler, wenn es um den Export in die USA geht?

Die größte Hürde ist sicherlich das fremde Rechtssystem und die damit verbundenen Unsicherheiten der Unternehmer und Verantwortlichen. Dies führt meist zu sehr zögerlichem Verhalten, wenn es darum geht den US-Markt anzugehen. Amazon zum Beispiel beschreibt die deutschsprachigen Online-Händler international als absolut unterrepräsentiert.

Sicherlich gibt es eine Menge Punkte, die berücksichtigt werden sollten, sodass der Verkauf in den USA sicher starten kann –in der Regel sind die Aufgaben jedoch nicht unlösbar. Man muss nur wissen was man tut.

Was genau bietet Alton bzw. wo kann Alton hier einklinken und den Händlern Lösungen anbieten?

Egal, ob der Händler noch vor dem Verkaufsstart in den USA steht oder bereits aktiv verkauft, ALTON hilft Steine aus dem Weg zu räumen.

Zunächst geht es immer darum den Status des Interessenten einzuordnen und ihn entsprechend seiner Bedürfnisse über die Anforderungen auf US-Seite aufzuklären. In Abhängigkeit des Konzepts, ist zunächst abzuwägen, ob es für den Kunden vorteilhaft ist, den US-Markt mit einer europäischen Gesellschaft oder ggf. mit einer US-Tochtergesellschaft zu bedienen. Hierzu klären wir dann Fragen wie, …

  • Wie gestaltet sich der Kostenrahmen in der einen oder anderen Variante?
  • Welche Möglichkeiten gibt es?
  • Welche Auswirkungen hat die Gestaltung auf die Haftungssituation der beteiligten Personen oder Unternehmen? (Das ist mit Anstand das wichtigste Thema!)
  • Wie kann ich mein Produkt zur Marktreife für den US-Markt führen?
  • Wie verhält es sich steuerlich?
    – Abwicklung mit US-Behörden,
    – was kommt am Ende beim Unternehmer an?

In diesem Zuge erarbeiten wir Handlungsalternativen, um den Weg in die USA für unsere Kunden so sicher wie möglich zu gestalten. Bei der Umsetzung unterstützen wir weitgehend mit eigenen Services. Zudem profitieren unsere Kunden auch vom einem nun über 12 Jahre hinweg gewachsenen Business-Netzwerk bestehend aus Steuerberatern, Rechtsanwälten, Versicherungsbrokern, Fulfillment Anbietern uvm..

Haben Sie noch ein paar Tipps für Online-Händler für den Export bzw. Markteintritt in die USA?

Das für mich relevanteste Thema, ist die Haftung. Daher würde ich mich zunächst darauf konzentrieren. Dabei dreht es sich in den USA primär um die Produkte selbst. D.h. zum einen sollte das Produkt neben den Marktanforderungen (Sprache, abweichende Maßeinheiten, anderer Normgrößen, abweichende Netzspannung usw.) allen Anforderungen der US-Behörden genügen (Auszeichnungs- und Zertifizierungspflichten). Auch hier helfen wir regelmäßig bei Recherchen. Zum anderen sollte eine Produkthaftpflichtversicherung für die USA abgeschlossen werden. Hierbei ist unbedingt darauf zu achten, dass etwaige Anwaltskosten, die mit einem Schadensfall einhergehen von dieser Versicherung abgedeckt werden. Den verteidigenden Anwalt zahlt in den USA jeder selbst, egal wie der Fall am Ende ausgeht. Und das können nicht unerhebliche Kosten sein, die man nicht aus eigener Tasche zahlen möchte.

Dabei würde ich immer mit unverfänglichen Produkten starten, um ein erstes Gefühl für den Markt zu bekommen und etwaige Kinderkrankheiten auszumerzen, um im nächsten Schritt vermeintlich schwierigere Produkte nachzuziehen.

Danke für das Interview!

Karim-Patrick Bannour

Karim-Patrick Bannour

Karim-Patrick Bannour ist Gründer und Geschäftsführer von viermalvier.at. Seit 1998 beruflich in der Internetbranche tätig, hat er 2009 seine eigene Social Media Agentur gegründet und ist Co-Autor des Social Media Marketing Bestsellers "Follow me!" bei Rheinwerk-Verlag. Er ist Managing Partner von Marktplatz1 und Autor des Marktplatz1-Blogs mit dem Schwerpunkt Marktplatz-Marketing.
Karim-Patrick Bannour

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