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  • Klaus Forsthofer im Interview über Veränderungen im Online-Handel

    Klaus Forsthofer im Interview über Veränderungen im Online-Handel

    Klaus wurde von Frau Dr. Sina Hardaker, Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie an der Universität Würzburg, zu seinen Einschätzungen zu den aktuellen Veränderungen im Online-Handel vor allem in Bezug auf Amazon, in seiner Funktion als CEO von ACE Deutschland aber auch als CEO von MarktPlatz1, interviewt. Das transkribierte Interview möchten wir Euch natürlich nicht vorenthalten.

    Hardaker: Darf ich fragen, wie sich die Covid-19 Pandemie für Ihr Unternehmen bemerkbar gemacht hat? Was hat sich da im letzten Jahr getan?

    Forsthofer: Ich würde sagen, von himmelhochjauchzend zu Tode betrübt. Das war in meiner Karriere der wildeste Ritt, den ich jemals erlebt habe. Geht vielleicht anderen auch genauso. Aber jetzt aus Versandhandelsperspektive haben wir natürlich erlebt, dass es eine unglaublich starke Nachfragesteigerung ab Ende Januar 2020 gab. Womit auch verbunden war, dass die Warenverfügbarkeit so nicht immer planbar war. Jetzt haben wir zwar unglaublich viel Nachfrage, sind aber auch oft leergelaufen und standen da wirklich auch vor neuen Herausforderungen. Aber was man ganz klar erkennen konnte, ist, dass sich das Ladengeschäft ins Internet verlagert hat. Meiner Meinung nach hält das bis heute an. Die Plattformökonomie ist der absolute Gewinner. Und selbst wenn die ganzen Lockdowns zu Ende gehen, ist meine persönliche Überzeugung, die meisten Kunden werden dem Onlinehandel treubleiben. Da sie jetzt verstanden haben, was das für sie an Convenience bedeutet. Und ich glaube, was sich daraus als neues Thema entwickeln wird, wo wird jetzt auch selbst investieren, das ist diese „fast-delivery-Branche“. Im E-Commerce laufen ja klassischerweise die größten Umsatzanteile im Paketgeschäft.. Ich glaube „Hyper-Convenience/Schnellzustellung“ ist der nächste große Sprung, in dem nicht nur Amazon tätig ist, sondern auch viele andere Anbieter mit ganz spannenden Ansätzen. Und ich fühle mich ein wenig zurückversetzt in die Zeit des Versandhandels von vor 10 Jahren. Das finde ich äußerst spannend, weil ich denke, dass es so viele Anwendungsfälle gibt, die man bisher vergessen hat. Es gibt so viele Menschen, die nicht mobil sind oder aus anderen Gründen diesen Service nutzen würden, wenn es eine günstige oder eine Convenience-Lösung für Dinge gibt. Stellen Sie sich vor, ein Unwetter zieht herauf, plötzlich fällt mir auf, dass mir noch eine Zutat wie zum Beispiel Backpulver für den Kuchen fehlt. Mit so einem Service könnte man sich das gewünschte Produkt ganz einfach noch rechtzeitig liefern lassen. Es sind auch wirklich ganz einfache Cases, die man in unserer normalen E-Commerce-Denkweise nicht bedacht hat. Wir waren viel zu sehr in unserer Paketwelt. Und da glaube ich, dass der E-Commerce hier echt etwas versäumt hat und Corona die Situation wahnsinnig beschleunigt. Das sehen wir auch schon. Ich denke auch, dass das Paketgeschäft weiterwachsen wird. Das ist zumindest das, was wir derzeit bei uns selbst und auch bei anderen Beratungskunden merken. Auch die Marken fokussieren sich stärker darauf und haben in der Pandemie auch dazugelernt. Die müssen da einen Fokus daraufsetzen und tun das auch. Grundsätzlich werden sie sich schwertun, zu ihren bisherigen Konzepten zurückzukehren. Ich denke, es wird eine nachhaltige Veränderung unserer Gesellschaft in puncto Kaufverhalten geben.

    Hardaker: Sie hatten gesagt, Sie fühlen sich zurückversetzt zu vor 10 Jahren. Können Sie das bitte nochmal erläutern, was Sie damit meinen?

    Forsthofer: Ich glaube, dass dieses am selben Tag Zustellungsgeschäft heute dort ist, wo der Paketversand vor 10 Jahren war. Es geht wieder von vorne los, nur mit einem anderen Service. Und das sehe ich auch, weil es ganz viele Start-ups gibt, die sehr interessant sind. Es gibt z. B. ganz viele grüne Konzepte, wo E-Bike Fahrer die Ware innerhalb kürzester Zeit zustellen. Wo ich Sportler kennengelernt habe, die als neues Hobby Essen ausfahren, ohne E-Bike. Die so zusagen dafür bezahlt werden, Sport zu machen. Also Sachen, die ich zumindest vorher so nicht gekannt hatte. Ich finde das ausgesprochen spannend und denke, man kann da von einer Branche echt viel lernen und das ist die hot-food-Lieferbranche, wie zB Lieferando & Co. Das klingt ja alles sehr banal, ich bestelle mir eine Pizza, aber an sich ist das ja die anspruchsvollste Logistik, die man überhaupt nur anbieten kann.

    Hardaker: Sie haben angesprochen, dass Sie davon ausgehen, dass sich das Kundenverhalten in einem wahnsinnigen Umbruch befindet. Nun hat sich ja die letzten Jahre schon angedeutet, der Online Handel hat stetig Zuwächse verzeichnet. Könnte man formulieren, dass Covid-19 so eine Art Window of Opportunity darstellt für die Plattformen?

    Forsthofer: Ja, ich glaube, nicht nur für die großen Plattformen wie Amazon, die fast schon eine Versorgerrolle haben, das ist ja eigentlich schon gesetzt. Man sieht ja die Wachstumsraten der letzten Jahre. Ich glaube, dass das für alle eine große Opportunity ist, die sich jetzt darauf anlassen. Also auch für die kleinen Point-of-Sales, die kleinen Marken. Da diese jetzt auch ganz neue Möglichkeiten haben. Wenn ich daran denke, früher war man als Kleinstunternehmen regional sehr beschränkt und heute kannst du mit relativ wenig Aufwand deine Produkte fast in der ganzen Welt anbieten. Da gibt es hier auch ganz neue Approaches, um voranzukommen. Wichtig ist, glaube ich, dass man sich eben auf den Kunden konzentriert und wirklich schaut, was sich dieser denn tatsächlich wünscht. Wir sagen die beste Indikation für Zukunftstrends ist wie Versandhändler selbst konsumieren. Wir wissen, wir bestellen überproportional viel online, aber aus diesem Verhalten heraus wird ein größerer Teil der Bevölkerung jetzt ganz einfach die Erfahrung der letzten 15 Jahre, nachgelagert, 18 Monate, 24 Monate später in etwa dasselbe Verbraucherverhalten haben wie wir Versandhändler privat. Und das finde ich auch ganz spannend, weil ich noch nie so viel Essen bestellt habe wie in dieser Pandemie. Aber jetzt habe ich auch noch ein Fitnessbike dazu, das passt dann auch ganz gut zusammen (lacht). Aber ja, man richtet sich ein. Ein Beispiel, ich habe jetzt meine eigenen Fitnessgeräte, da habe ich investiert. Für mich ist jetzt tatsächlich die Frage, wenn die Fitnessstudios wieder aufmachen, mache ich das wieder oder nutze ich die Dinge, die ich mir jetzt angeschafft habe, intensiver? Es war eine nicht unerhebliche private Investition und muss daher auch genutzt werden. Und diese Frage werden sich in Zukunft sicherlich mehr Menschen stellen. Und hier sind wir jetzt wieder an einem Punkt, wo ich glaube, dass es das sinnvollste in der Zukunft sein wird, ein sowohl als auch in kombiniert sein. Das kann ein Point-of-Sale sein, die ihre Waren online anbieten, das können Onlineschaufenster sein, die Kundenfrequenz offline bringen. Aber am Ende bleibt für mich immer das Kundenerlebnis, das muss eigentlich großartig sein. Und da hat sich der Handel stationär meiner Meinung nach nicht immer so toll entwickelt. Weil Abholmärkte, ja… Da wo nichts ausgestellt wird, tue ich mir schwer mittlerweile. Ich sehe im Moment immer mehr neue Konzepte, wie Läden einfach Regale vermieten an Marken und damit quasi ein Marktplatzmodell im Laden, den Marken dort ermöglichen, präsent zu sein und mit einer Kommission von 10 Prozent dort etwas zu verkaufen. Und das finde ich sehr spannend. Weil vor allem wenn es jetzt nicht mehr der Händler ist, der selbst alles macht. Ich glaube, das ist auch eine Überforderung, für einen kleinen Point-of-Sales, alles selbst zu machen. Das ganze Sortiment zusammenzustellen, dann einzukaufen. Man ist als einzelner nicht wirklich stark und man muss sich dann eigentlich zu einem Verband zusammenschließen, um entsprechende Einkaufskonditionen zu erhalten. Und das endet wahrscheinlich in einer Spezialisierung. Und da sehe ich eigentlich auch ganz viel Chance für die Klein- und Kleinstunternehmen, die besonders flexibel sind. Mehr als in den letzten Jahren eigentlich.

    Hardaker: Darf ich fragen, die Händler, die auf Sie zukommen, die Beratungsleistungen in Anspruch nehmen oder die generell Interesse haben, auf Amazon bspw. zu verkaufen, gibt es da so den einen Händler oder ist das bunt durchmischt?

    Forsthofer: Also ja, ich kann es jetzt von uns sagen, was wir an Anfragen so sehen. Wir haben auf der einen Seite Marken, vor allem mittelständige Marken aus Deutschland und aus Österreich, die sich dafür interessieren, sich online jetzt aufzustellen, aber auch an gewissen Kompetenzen Interesse haben, wie z. B.: Wie vermeide ich Vertriebskanalzielkonflikte mit meinem stationären Handel. Oder wie spreche ich das ab, wie kommuniziere ich richtig. Wie mache ich das auch fair. Diese Fragen sind jetzt vermehrt gestellt worden und oft auch sehr schnell umgesetzt. Ich meine, hätte man glücklicher machen können, ohne COVID, aber ist halt so. Die Not macht eben erfinderisch. 

    Hardaker: Wir haben jetzt in vielen Gesprächen, vor allem auch mit kleineren Händlern mitbekommen, dass einem immer wieder eine gewisse Skepsis entgegenkommt, wenn man fragt: Warum sind Sie denn noch nicht auf Amazon oder wieso haben Sie noch keinen Online Shop oder sonstiges. Wieso wird Instagram nicht als Verkaufskanal genutzt etc. Was glauben Sie, woher rührt diese Skepsis und glauben Sie, dass die durch bestimmte Maßnahmen oder generell durch das jetzt veränderte Kaufverhalten sich abschwächen wird?

    Forsthofer: Ich glaube, man sieht halt Amazon oder andere Marktplätze oft – man hat sie als Kunde kennengelernt – und sieht sie als Wettbewerbshändler. Da tut man sich dann halt schwer, die eigenen Produkte dort anzubieten. Aber es gibt auch andere Vorbehalte, wie der große US-Amerikaner usw. Ähnliches liest man ja auch tagtäglich in der Presse. Aber am Ende des Tages ist es eben ein Faktum, dass Amazon das wichtigste Gate für Produktsuchanfragen in Deutschland ist und wenn ich dort nicht sichtbar bin, verzichte ich auf den größten Teil der E-Commerce Kunden. Und deswegen ist es auch eine Frage, will ich mir das leisten, kann ich mir das leisten. Meiner Meinung nach ist Amazon auf der anderen Seite auch eine großartige Trainingsmethode, um mit den anderen Dingen besser voranzukommen, mit der eigenen Logistik im Onlineshop, mit anderen Marktplätzen. Wenn ich das beherrsche, habe ich einen guten Standard erreicht. Amazon sorgt natürlich dafür, dass bestimmte Standards eingehalten werden müssen und die kann ich auch relativ schnell lernen. Ich finde das sehr gut, das auch zu tun, aber weder zu verteufeln noch zu glorifizieren. Das sehr Rationale noch zu betrachten. 

    Hardaker: Gibt es denn auch Händler, bei denen Sie dann auch ganz klar sagen, Amazon stellt hier keine Option oder sollte keine Option darstellen?

    Forsthofer: Das kommt darauf an. Also bei physischen Produkten, die gut versendbar sind, ist Amazon meist eine sehr gute Option. Wir sehen es halt bei individualisierten Produkten, dass es oft schwer ist, wir sehen es bei teuren B2B Produkten, dass es oft schwer ist. Ja, es gibt sicherlich Bereiche, wo es noch nicht so toll ist, aber wo es auch Wachstum gibt. Gerade bei individualisierten Produkten finden wir es auch sehr spannend, da gibt es von Amazon auch ein Programm, das heißt Amazon Custom. Da kann man Tassen gravieren-/ oder Wörter auf T-Shirts drucken lassen. Das ist das „Very-Beginning“ und ich glaube, das wird noch viel weitergehen in Zukunft. Das wird ein Megatrend sein, individualisierte Produkte dann auch just in time fabrizieren zu lassen. Der Weg dorthin ist sicherlich noch ein längerer.

    Hardaker: Sie haben es ja jetzt schon angesprochen, dass generell die Plattformökonomie als der Gewinner der Krise bezeichnet werden kann. Wie denken Sie, dass sich das so die nächsten – wenn man mal so 5-10 Jahre in die Zukunft blickt – wie sieht da die Einzelhandelslandschaft aus oder wie könnte sie aussehen?

    Forsthofer: Das ist wahrscheinlich nicht ganz so einfach zu beantworten. Ich könnte mir vorstellen, dass es viele Cross-Channel Konzepte gibt, was Marken sind, die sowohl im Internet gut wieder auffindbar sind als auch in Offline-Stores. Ich könnte mir auch vorstellen, dass es viele Kooperationen geben könnte, wo der bestehende Handel, Fläche für Pure-Onliner zur Verfügung stellt. Dass, man sich da öfter zusammentut, dass man beginnt, Synergien zu nutzen und weniger aufeinander zeigt. Weil ich glaube die Vergangenheit hat auch gezeigt, dass das überhaupt niemanden weiterbringt. Dass es einfach synergetischer wird. Man wird klare, präzise Mehrwerte liefern müssen. Das Geschäft, in dem ich einfach Standardprodukte kaufen kann, wie die, die es überall gibt, da ist die Frage, wie sinnvoll wird das sein. Ich glaube, dass man wirklich dieses Themenerlebnis in den Vordergrund stellen muss, das Spürbarerlebnis auch anbieten muss, welches ziemlich die Landschaft verändern wird. Man sieht ja auch, dass Amazon mit seinen Großstores auch hier mitmischt. Ich glaube, die sehen sich auch gar nicht als reiner Onliner, zumindest was wir in Seattle im Headquarter gesehen haben, geht ja eher um Handel als Großes und Ganzes. Natürlich kommt Amazon aus der Online-Ecke, aber ich denke das wird auch für diesen Marktplatz ein sowohl als auch werden. Und die werden das wahrscheinlich ziemlich gut verzahnen können.

    Hardaker: Nun ist es ja so, dass Amazon – dafür steht es ja auch, oft in der Kritik oder es wird kontrovers diskutiert – ,dass sie zum einen Marktplatz sind, aber auch selbst eigene Produkte verkaufen. Also letztendlich Marktplatz, aber gleichzeitig innerhalb des Marktplatzes Mitbewerber sind. Gibt es da eine Strategie oder eine Empfehlung, wie damit umzugehen ist?

    Forsthofer: Also Amazon kommt ja aus dieser Retail-Ecke, also verkauft selbst und hat das Marktplatzmodell dann erst Jahre später für sich entdeckt und setzt aber heute relativ stark auf dieses Markplatzmodell. Dazu kommt ja auch noch das Retail Modell, welches zu einem Zielkonflikt führen kann. Und als Marke oder als Anbieter kann man es vielleicht auch so nutzen, dass ich beide Zugänge nutze, dass ich auf der einen Seite ein Seller-Konto auf dem Marktplatz habe und auf der anderen Seite ein Vendoren(?)-Konto für Retail. Das könnte so ein Ansatz sein, wo ich mich auch minimal unabhängiger mache. Ich glaube, das ist eine Komplexität, die wir sonst eigentlich nirgendwo sehen und die sehr spannend ist.

    Hardaker: Glaube Sie, dass das auch in Zukunft – in Indien ist es ja beispielsweise so, da hat die Rechtsprechung letztes oder vorletztes Jahr festgelegt, dass Amazon, das eben nicht mehr darf. Entsprechend wurde das Geschäftsmodell in Indien auch schon umgestellt. Glauben Sie, das ist auch etwas, das in europäischen oder vor allem auch im deutschen Markt passieren könnte.

    Forsthofer: Also ich habe jetzt auch keine Glaskugel und man kann es nicht ausschließen. Aber ich muss am Schluss sagen, dass ich es nicht weiß und ich denke, da wird es auch auf europäischer Ebene sicherlich Bestrebungen oder Diskussionen geben. Klarer wäre vielleicht, wenn es so wäre. Weil man dann genau weiß, womit und mit wem man es hier zu tun hat und diese Vermischung einfach vermeiden kann. Weil ich denke, bei Amazon werden diese beiden Welten irgendwann verwachsen. Weil sie müssen ja alles auch irgendwie zweimal entwickeln.

    Hardaker: Ich würde gerne noch einen neuen Themenblock anreißen, und zwar Digitalisierungsinitiativen. Die sind ja jetzt insbesondere 2020 so ein bisschen aus dem Boden gestampft worden, unterschiedliche Kooperationen sind eingegangen, HDE und Amazon etc. Auch Bundesregierung und IHK, die sich da jetzt engagieren. Ich weiß jetzt nicht, inwieweit Sie in dem Thema drin sind, aber könnten Sie vielleicht kurz eine Einschätzung geben, inwieweit das günstig ist für große digitale Plattformen, bei solchen Digitalisierungsinitiativen mitzuwirken.

    Forsthofer: Ich war selbst drei Jahre Coach im Programm „Unternehmer und -Unternehmerinnen der Zukunft“. Das ist ein von Amazon gestaltetes Programm gewesen, das jedes Jahr 20-30 Bewerber*innen persönlich über ca. 9 Monate betreut. Da haben wir gesehen, dass das unglaublich viel gebracht hat. Und wir haben auch Feedbacks von den Teilnehmer*innen bekommen, dass sie noch nie so schnell weitergekommen sind. Ich glaube, es macht auch absolut Sinn, das zu tun, weil man hier auch an der Quelle ist. Ich denke, man muss halt, um klar und transparent zu sein, sagen, welchen Hut man aufhat. Also das ist ja so weit gegangen, dass man bei Amazon in diesem Programm auch über online Shops und andere Marktplätze gelehrt hat, also das war relativ offen. Das fand ich auch sehr gut. Aber natürlich war es ein Amazon-Programm und die Gewinner*innen, das war auch so ein kleiner Contest, die fliegen dann ja nicht in die Karibik, sondern nach Seattle ins Headquarter für eine Woche und können sich dort austauschen. Jetzt dieses Programm war sehr persönlich, da hat jeder einen persönlichen Coach gehabt, wo man sich auch persönlich getroffen hat. Diese neuen Initiativen, die digital waren, ich glaube, da sind sehr viele auch parallel entstanden und die Rezipienten haben jetzt vielleicht gar nicht gewusst, was ist das jetzt, was soll das jetzt, was ist besser, was bringt mich weiter. Also ich finde es großartig, dass sich die Plattformen hier betätigen, weil sie einfach ein unglaubliches Know-how haben. Amazon stellt halt einen großen Bestandteil des deutschen E-Commerce, warum sollen sie sich da dann nicht auch aktiv einbringen? Dieses System ist heute mittlerweile ein eigenes Ökosystem mit einer Komplexität, wo ich noch keine Einzelperson getroffen habe, die das alleine vollständig verstehen kann. Ich denke, es ist auch nötig, da nicht zu übersehen ist, dass es immer komplexer wird und dass jeder Marktplatz immer komplexer wird und ich mir unglaublich schwertue als kleines Unternehmen zu viele Marktplätze parallel zu bespielen, einfach aus Know-how Gründen. Das hat gar nichts mit Ideologie oder ähnlichem zu tun. Und dass ich dann priorisieren muss, da es ja auch viel mit Lernkurven zu tun hat. Unsere Meinung ist, dass man mindestens 24 Monate braucht, um da wirklich drin zu sein.

    Hardaker: Genau, ich denke auch, dass ganz klare Gewinner Händler sein können, die sich diesen Digitalisierungsinitiativen anschließen. Können Sie vielleicht nochmal kurz skizzieren, wo liegt der Mehrwert für die Plattform? Ist es wirklich nur – geht es wirklich nur darum, dass man im Endeffekt neue Händler für die eigene Plattform gewinnt, oder gibt es darüber hinaus auch noch weitere Vorteile?

    Forsthofer: Ich glaube auch, dass man auf sich aufmerksam macht, dass man nachher auch neue Händler gewinnt und auch Vertrauensbildende Maßnahmen setzt. Weil die Coaches und Trainer, die hier zu Verfügung stehen, stark aus der Praxis kommen und haben das selbst auch schon mal durchgemacht und sind selber meist auch Händler oder zumindest früher Händler gewesen und jetzt in der Hierarchie aufgestiegen und haben hier unglaublich viel Erfahrung in ihren jeweiligen Spezialbereichen. Es gibt auch ganz viele Coaches mit ganz unterschiedlichen Profilen und die qualitative Auswahl fand ich sehr gut, weil man hier auch nicht einfach ein Amazon Standardprogramm darübergestülpt hat, sondern gesagt hat, wir lassen diese Vielfalt auch zu. Und es gibt auch ein Fortführungsprogramm, das Quickstart-Online, das diese Erfahrungen natürlich auch ins Digitale überträgt. Ich denke, es hat sich für Amazon auch ausgezahlt, dieses Investment zu machen. Daneben sehe ich relativ wenig Profit. Ich glaube es geht wirklich darum zu zeigen, wir wollen wirklich dein Partner sein, das soll vermutlich die Basis sein, die rüberkommen soll.

    Hardaker: D.h. Könnte man sagen, dass die Legitimität – wir hatten es ja gerade auch angesprochen, dass viele kleinere Händler, die so eine gewisse Skepsis mit sich bringen, dass es insbesondere, wenn Amazon dann mit renommierten Partnern, wie IHKs, Bundesregierung oder HDE zusammenarbeiten, dass dann auch so eine gewisse Legitimität ausgebaut wird oder hergestellt wird?

    Forsthofer: Ja, das halte ich durchaus für möglich. Wir kennen auch Händler, die bei Amazon verkaufen und sehr skeptisch sind. Es hat aber auch oft etwas mit einem gewissen Verständnis zu tun und wir sehen häufig, dass sich diese relativ auflöst, wenn ihre wichtigsten Fragen beantwortet werden. Da ist es halt so, dass Marktplätze oft in der Vergangenheit eine Black-Box waren, wo man qualitativ nicht die Antworten bekommen hat, auf die Fragen, die man gestellt hat. Und ich denke, das wäre auch gut für alle Marktplätze, sich hier noch stärker auf die Partner einzustellen. Aber ich denke, auch dort hat man erkannt, dass es ohne die Anbieter ja auch gar nicht geht. Und dass es auch ein tolles Geschäftsmodell für die Plattformen ist.

    Hardaker: Wenn wir vielleicht mal kurz von Amazon weggehen und uns über andere Plattformen bzw. Unternehmen unterhalten, Instagram bspw. oder Facebook. Live-Shopping steckt ja in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Wenn man da nach China schaut etc., da hat das ganze schon eine ganz andere Dynamik. Inwieweit sehen Sie hier Potenzial für den deutschen Markt und ist das auch was, wo bspw., wenn man mal weit in die Zukunft denkt, sich auch Amazon doch integrieren oder beteiligen könnte?

    Forsthofer: Das wird sicherlich etwas sein, was auf uns zukommt. Weil, wenn wir heute die E-Commerce in zwei Kategorien einteilen, dann ist das auf der einen Seite der nachfragegetriebene E-Commerce, wo jemand einen Bedarf für ein Produkt hat und danach sucht. Da landet man dann klassischerweise bei Google und Amazon. Und es gibt diesen Stöber getriebenen Ansatz, aus dem auch das Teleshopping etc. entstanden ist. Amazon hat auch schon solche Programme, amazon.com/whatchandshop heißt das glaube ich. Das gibt es bereits in den Staaten, wo Händler selbst ihre Produkte in ganz lustig aufbereiteten Videos präsentieren. Das passt halt auch zu den Amerikanern, muss man sagen. Ich weiß nicht, ob das viele Händler hier nutzen werden. Aber es geht absolut in die Richtung und da sind Plattformen wie Instagram prädestiniert dafür, das Geschäft zu übernehmen. Wir beschäftigen uns zu diesem Zeitpunkt selbst damit, wir sehen halt, dass das ganze rationale Shopping auf den Marktplätzen passiert und dass das emotionale Shopping dort stärker geschieht. Dass auch Branding dort geschieht. Das ist wieder eine ganz eigene Spielart, damit umzugehen und es für einen klassischen E-Commercer nicht so einfach ist, da reinzugehen. Weil auch die Zielgruppen, die Influencer und die Rezipienten immer auch wesentlich jünger sind und anders an das Thema herangehen. Das Nächste ist TikTok, das schlägt in dieselbe Kerbe. Und das wird sehr spannend und dort rüstet man ja quasi auch auf bei Instagram, da gibt es ja jetzt auch die Instagram-Shops und wir beobachten gerade auch für unsere Produkte und haben jetzt die ersten Kooperationen mit Influencern, auch um zu verstehen, wie der Mechanismus im Konkreten abläuft. Und wir sind da jetzt schon einige Monate dabei und ich muss gestehen, ich tue mir immer noch schwer, die Feinmechanik dort zu verstehen.

    Hardaker: Okay. Wir hatten jetzt sehr interessante Interviews mit kleinen Einzelhändlern, die Instagram-Live nutzen und die vor der Krise wirklich nichts mit Instagram zu tun hatten und jetzt aktuell im Lockdown wirklich den Umsatz durch Instagram-Live reinholen. Also Händler, die mit ihrer Mutter dann vor der Kamera stehen und durch den Shop laufen und alles anprobieren. Also es ist Wahnsinn, was sich da alles tut.

    Forsthofer: Das finde ich superkreativ und das zeigt ja auch, dass die Unternehmer*innen auch einfach Mut haben, etwas Neues auszuprobieren. Ich denke, da geht es einem um Überwindung und wenn das dann funktioniert – ich habe auch darüber einen Artikel gelesen und ich finde das ganz toll, dass man einfach sagt, ich probiere das jetzt mal und schaue, was daraus passiert und lerne daraus. Wir glauben auch, dass dieses Thema uns ein bisschen zur online Beratung bringt, das immer noch eins ist heute, dass der Onlinehandel immer noch nicht wirklich gut adressiert. D.h. Man stelle sich vor, man sucht einen Smart-TV, wenn man zum lokalen Shop geht oder zum Multistore, dann ist meistens dort irgendeine Person, mit der ich reden kann, mehr oder weniger qualifiziert. Die mir zumindest die Groben vor und Nachteile des Produkts erzählen kann und die Fragen, die ich stelle, direkt beantwortet. Das tut der E-Commerce bis heute nur zum Teil. Deswegen glauben wir auch hier an eine Verschmelzung. Wir selbst haben in ein Start-up investiert, das heißt Chatify und dort geht es darum, diesen Video Life Support direkt in der Produktdetailseite direkt darzustellen. D.h. Als Kunde klicke ich darauf und werde direkt mit dem Videoberater verbunden, wenn ich das möchte. Ich kann auch steuern, ob ich Video, Audio oder Chat möchte. Und versuche hier, dem wieder Spielraum zu geben und auf einmal hat dieses Wissen des Spielzeughändlers in der Kleinstadt wieder Sinn und kann skaliert werden. Und ich denke, das werden die Verbraucher auch schätzen.

    Hardaker: Da poppt bei mir immer direkt China auf. In China ist es ja gang und gäbe, dass ich innerhalb von zwei Sekunden, wenn ich was bestelle, eine Antwort oder eine Frage stellen kann im Chat oder per Video, die mir beantwortet wird. Ist es so, dass wir da einfach 10 Jahre hinterher sind und der Blick nach China uns doch immer ein bisschen die Zukunft zeigt? Oder wieso hinken wir da so hinterher?

    Forsthofer: Jein. Es gibt da Kollegen, die glauben, dass wir hier stark hinterherhinken. Ich sehe es eher kulturell differenziert. Also die Technologien, die sind auch hier vorhanden, ich glaube, das ist wirklich kulturell, sich da zu überwinden und mit Kamera oder mit Handy mit jemandem zu sprechen, das ist jetzt nicht unbedingt mitteleuropäische Leitkultur. Und ich denke, wir müssten eine eigene Antwort darauf finden, die vielleicht nicht so dynamisch ist, aber für uns besser passt. Und ich glaube nicht, dass wir gegenüber China so weit hinten sind, ich glaube nur, dass wir es anders machen und dass wir in Mitteleuropa manchmal etwas länger nachdenken, wie wir etwas machen. Deswegen sieht auch China anders aus als Europa. Ich war selbst zwei Wochen in Shenzhen und habe dort vieles erlebt, aber nicht alles ist gut, das muss man schon auch mal sagen. Und diese Glorifizierung von etwas, was die wenigsten von uns jemals in echt gesehen haben, finde ich nicht gut. Weil ich denke, dass die auch sehr viel von uns noch lernen können. Und da finde ich, dass Europa gar nicht so sehr abgehängt ist, wie es manchmal heißt. Ja, okay, es fehlt uns ein großer Plattformbetreiber, das ist richtig, aber in den kleineren Dingen und z. B. in der Anbieterqualität sind die deutschen Händler einfach richtig gut und die brauchen sich da auch vor nichts zu scheuen. Und die halten auch alle Compliance und rechtlichen Dinge ein und darauf kann man sich auch verlassen. Und nur weil es schnell geht, heißt das nicht, dass dann alles gut ist. Also ich sehe das sehr kontrovers und glaube, dass wir hier in Europa auch selbst gute Antworten sehen werden.

    Hardaker: Okay. Nochmal ganz kurz zurück, Sie hatten es angesprochen, Chatify, dieser Anbieter, der Video möglich macht, also diese Echtzeitberatung online im Endeffekt. Ich bin gerade im Geiste durchgegangen – gibt es irgendein Produkt, das auch wirklich in langfristiger Zukunft online nicht abbildbar ist und das den stationären Handel sozusagen braucht. Weil oft ist es ja die Argumentation, wir haben hier die beste Beratung, die kann kein Amazon, kein eBay, kein Instagram leisten. Das wäre aber ja im Endeffekt ein Argument dagegen.

    Forsthofer: Ich sehe es im Moment nicht so, dass es vieles gibt, was man nicht online abbilden kann. Ich denke, das meiste kann man online abbilden. Es kann aber in Teilbereichen sein, wir werden immer mehr zur Dienstleistungsgesellschaft, dass es bei sehr körpernahen Produkten Sinn machen kann, diese auszutesten und auszuprobieren. Möbel zum Beispiel. Ein, Bett wo ich drauf liege oder ein Sessel. Da kann es sein, dass man das nochmal testen möchte. Ich persönlich bestelle auch mittlerweile das alles online. Ich glaube, die Menschen sind einfach auch Gewohnheitstiere und je größer dieser Anteil des E-Commerce bei den Verbrauchern im Jahr wird, desto stärker wird er sich auch in Zukunft für andere Segmente entwickeln. Das funktioniert und in einer so schnellen Gesellschaft, wo Zeit immer kostbarer wird, ist der stationäre Händler für mich schwierig. Also ich denke jetzt gerade bei mir in der Innenstadt, ich müsste da jetzt einen Parkplatz suchen, das sind physisch 1,5 km und ich weiß genau, dass ich mindestens 15 Minuten mit dem Auto dort stehe, bis ich dort bin. Ich kann auch zu Fuß hingehen, aber dann kann ich wieder nichts Großes mitnehmen. Und so beginnt eigentlich schon, dass ich gleich online schaue. Und ich glaube, der Komfort der Verbraucher schlägt alle anderen Themen. Wenn sich die Kunden dann auch wirklich an das gewöhnt haben und das auch selber steuern können, weil sie das einfach oft getan haben, weil sie wissen, wie das geht mit dem zurücksenden, weil sie wirklich aufgeklärte Verbraucher sind, dann wird sich das vielleicht noch weiter verstärken. Ich bin mir sicher, dass der E-Commerce zu diesen Themen arbeitet, wie bessere Darstellungen von solchen Produkten wie in 3D. Oder vielleicht sogar auch in der Zukunft vieles besser machen wird als der offline Handel. Wenn ich mir jetzt denke, z. B. die Vermessung meines eigenen Körpers und eine just in time Bekleidung, dann ist das etwas, dass vielleicht noch etwas visionär klingt, aber sicher auch schon einige daran arbeiten. Wer wird sich noch Standardprodukte kaufen, wenn er zum selben Preis vielleicht ein individuell angepasstes Produkt haben kann? Aber ich denke auch das werden wir nicht nächstes Jahr sehen. Es wird noch etwas Zeit vergehen, aber die Grenzen sind aus meiner Sicht sehr klar gesetzt und die großartige Chance ist für alle, die sich damit aktiv einlassen und nicht an der Vergangenheit unbedingt festhalten. Das ist im Moment, glaube ich, gerade jetzt am Scheitelpunkt von sehr großen Chancen stehen können.

    Hardaker: Lokale Plattformen. Das ist ja gerade auch ein Trend, sicherlich auch nochmal etwas befeuert durch Covid-19. Haben Sie da vielleicht eine kurze Einschätzung zu lokalen Marktplätzen?

    Forsthofer: Wir sehen, dass sich solche entwickeln und es auch viele Bestrebungen gibt, auch welche, die noch nicht live sind. Dass die das Thema Regionalität auch auf Produktseite mit verknüpfen. Also diese Glaubwürdigkeit … Ein Beispiel hier bei mir in Salzburg, da kann ich mir auf einer Regionalplattform die Gemüsekiste von regionalen Bauern bestellen, die ich dann im Abo einmal in der Woche bekomme. Und ich kaufe das bei einer regionalen Plattform, das Produkt ist von einem regionalen Anbieter und wird von einem regionalen Lieferdienst auch ausgefahren. Ich glaube, dass es in der Nische hier oder in der Spezialisierung sehr viele auch geben wird, die insbesondere all das, was auf den Frischemärkten herumsteht, als Alternative dazu oder auch als Alternative für kleines und regionales Sortiment, also in Verbindung mit dieser Logistikleistung macht das total Sinn, dass sich kleinere Anbieter, die gute profilierte Produkte haben, diesen Vertrieb und die Logistik zum Teil über solche Marktplätze outsourcen. Das ist eine ganz andere Herangehensweise und meist sind es auch andere Produkte. Oft sind es auch wirklich diese Frischeprodukte. Es gibt halt auch Kunden, die tatsächlich nicht bei den Großen bestellen aus Prinzip. Unsere Erfahrung ist, dass die meisten zwar sagen, sie tun es nicht und tun es dann trotzdem. Es gibt tatsächlich eine Zielgruppe, die es nicht tut. Und wir glauben, mit innovativen Konzepten wie mögliche Abholung bei mir in der Nähe oder Direktzustellung macht das superviel Sinn, wenn der Verbraucher sich dann auch wirklich dafür entscheidet. Am Schluss wird es dann darum gehen, ob ich ein wettbewerbsfähiges Angebot zusammenbringe, weil wer die Angebote in den großen Städten kennt, die sind schon oft sehr gut. Hier gibt es halt auch oft große Branchen in den Kleineren und Mittelstädten, wo die großen nicht als aller erstes auf der Roadmap sind. 

    Hardaker: Dann noch die allerletzte Frage, Herr Forsthofer, ganz herzlichen Dank für Ihre Zeit schonmal. Wie schätzen Sie die Rolle von digitalen Plattformen oder von einer Plattformökonomie ein. In 1-2 Sätzen.

    Forsthofer: Es werden zentrale Anlaufplattformen für Verbraucher sein, um ihre Bedürfnisse rund um die Uhr befriedigen zu können. Da glaube ich, dass das so sein wird und zum Teil schon so ist und dass sich das noch verfestigen wird. Und dass diese auch vielleicht Marketingplattformen für lokale Angebote sein können, die bei mir vor Ort stattfinden. Ich glaube an eine ganz starke Verzahnung in der Zukunft. All diese Modelle, wo auch kleine Zahnräder, die gut profiliert sind, sich toll einrichten können.

     

  • Lageroptimierung, oder: Räum doch mal auf! Wie es hier schon wieder aussieht…

    Was nach einer verzweifelten Aufforderung Richtung Kinderzimmer klingt, ist die Realität in vielen eCommerce Lagern.

    Als Beraterin und ehemalige eCommerce Unternehmerin habe ich so manches Lager gesehen. Eines ist aus meiner Sicht identisch: Die Optimierung des Lagers und der Logistik erfolgt, gerade in den ersten Jahren, zuletzt.

    Wenn sich Wachstum einstellt, versucht fast jeder Unternehmer erst einmal, wachsende Kundenwünsche und -ansprüche zu bedienen. Ziel ist es in erster Linie Umsatz zu generieren und natürlich pünktlich zu liefern. Der Schwerpunkt der eigenen Ausrichtung liegt auf Kundenseite und auf der Außenwirkung des eigenen Unternehmens. Die KPIs (Key Performance Indicators) werden regelmäßig auf die letzte Nachkommastelle optimiert. Die Hardware stimmt, die Software stimmt, die Conversion Rate passt, Google und Facebook Ads sind optimiert, auf Amazon und Ebay sind die Werbeanzeigen bzw. –produkte bis ins kleinste Detail perfektioniert. Doch im Inneren wird die Situation zunehmend kritischer.

    Die Strukturen können dem Wachstum nicht mehr schnell genug folgen. An vielen Tagen geht es drunter und drüber, von Produktivität in Lager und Logistik keine Spur. Mitarbeiter*innen sind gereizt und überlastet. Häufig wird mehr gesucht als gefunden, Fehler passieren und die Stimmung kippt. Mitarbeiter können sich, nach eigenen Aussagen „nicht auf die Kollegen im Lager verlassen“. Der schwarze Peter wird im Allgemeinen dem Lager zugeordnet. Betrachtet man die Situation jedoch von Außen, haben alle am Durcheinander mitgewirkt. Nun ist jedoch niemand mehr alleine in der Lage, eine komplette Lagerstruktur aufzubauen. Weder die Lagermitarbeiter*innen, noch die Kolleg*innen im Büro. So wird in vielen eCommerce Unternehmen weiter chaotisch vor sich hin gearbeitet und Fehler und Schuldzuweisungen werden in Kauf genommen. Aber wie konnte das Lagerchaos in den letzten Jahren überhaupt so groß werden? Welches sind die größten Probleme die Lager und Logistik im Online Versandhandel mit sich bringen?

    Probleme, Fehler und Fragen im Lager:

    • Wo liegt das Produkt?
    • Wo ist die Leiter, wo ist die Sackkarre, wo ist der Besen, wo steht der Hubwagen?
    • Kartons hin und her tragen, da die benötigte Ware garantiert immer zugestellt ist
    • Die Lagerorte kennen nur die langjährigen Mitarbeiter. Neue Kollegen finden nichts
    • SCHNELLE Einarbeitung von Saisonkräften funktioniert nicht
    • Keine sinnvolle Beschriftung in den Räumen, Gängen und an den Regalen
    • Keine oder fehlerhafte Hinterlegung der Lagerorte in der Warenwirtschaft
    • Gänge und Laufwege sind zugestellt mit Kartons
    • Arbeitsplätze bzw. –flächen sind ebenfalls zugestellt
    • Keine klaren Zuständigkeiten
    • Improvisation und eigene Entscheidungen sind notwendig um ausliefern zu können
    • Fehlende Kommunikation zu Anlieferungen und Abholungen zwischen Büro und Lager

    Ein Lagertag im eCommerce. Ein Worstcase-Szenario:

    Wenn die Sackkarre zwischen den Regalreihen endlich irgendwo gefunden wurde, kommt man keine zehn Meter weit, bis die nächsten Pakete und Kartons den Weg versperrten. Endlich am Arbeitsplatz angekommen, kann die Ware nicht abgelegt werden, da ein(e) Kollege*in den Platz bereits zugestellt hat. Eine Büro Kollegin steht mit einem „extrem dringenden“ Auftrag vor einem und braucht in genau diesem Moment eine Lösung. Die eigene Arbeit wird unterbrochen, erstmal helfen! Dann klingelt auch schon der LKW Fahrer mit der Info, dass er mehrerer Paletten abladen möchte. Von dieser Anlieferung weiß das Lager bis zu diesem Moment leider gar nichts. Da selbst die Packtische zugestellt sind, brauchen wir über freien Platz für die Zwischenlagerung der Paletten erst gar nicht reden. Es steht einfach alles voll! Die fehlende Informationsweitergabe bewirkt erst einmal, dass nun auch der schmale, allgemeine Laufweg für die nächsten Stunden nicht zur Verfügung steht. Da heißt es Nerven bewahren!

    Das für mich schlimmste Negativbeispiel ist, wenn Kunden nicht beliefert werden können, da die Ware einfach nicht gefunden wird. Jeder weiß ganz ganz sicher, dass die Ware da ist, aber niemand weiß wo! Da kann man schon mal verzweifeln… Bei Anlieferung wurde sie irgendwo untergeschummelt, damit sie erstmal aus dem Weg ist. „Machen wir dann später richtig, jetzt erstmal die ganzen Aufträge versenden.“ An dem Tag wird dann, auf Grund der vielen verschiedenen Aufgaben und des Durcheinanders, die richtige Zuordnung der Ware vergessen und noch viel später kennt auch niemand mehr das „Zwischenversteck“. Macht aber nichts, spätestens zur Inventur findet sich alles wieder.

    Die wachsende Unordnung erhöht Monat für Monat die Fehler. Es werden falsche Mengen oder falsche Ware versendet. Auch der Empfänger wird vertauscht, da man mal wieder unterbrochen wurde. Der Kunde schimpft und droht mit schlechten Bewertungen. Das Ergebnis ist frustrierend, die Reklamationen und Kosten steigen. Was zusätzlich steigt, ist der interne Druck, die Nerven sind strapaziert, die Schuldzuweisungen mehren sich, Überblick hat niemand mehr. Das Lager schiebt es auf das Büro, das Büro auf die Kollegen im Lager. Es wird geschaut wer den Fehler gemacht hat und nicht warum der Fehler passieren konnte. Somit gibt es auch keine Erkenntnis, wie man den Fehler gemeinsam abstellen kann.

    Die Stimmung wird mieser, alles hängt an wenigen Leistungsträgern. Mitarbeiter*innen im Lager müssen Dinge entscheiden und improvisieren, womit viele völlig überfordert sind, zumal es auch die Saisonkräfte betrifft, die nur wenige Wochen im Jahr unterstützen. Die Zeiten laufen aus dem Ruder und gefühlt wird die Hälfte der Arbeitszeit irgendetwas gesucht. Die Lagermitarbeiter*innen sind mittlerweile täglich überlastet und im Büro fragt man sich, warum es denn so schwer ist, 100 Pakete am Tag zu versenden.

    Was nun? Ordnung muss her!

    Ordnung und Struktur sollte, auf eine sinnvolle Art und Weise und in einer logischen Reihenfolge aufgebaut werden. Damit diese dann auch dauerhaft Bestand hat, sollten alle mithelfen. Nur so können nachhaltige Lösungen geschaffen werden.

    Steigern Sie die Produktivität und erzielen Sie Planbarkeit, durch die folgenden allgemeinen Ziele:

    • Vorgehen soweit es geht vereinfachen und logisch aufbauen
    • Überflüssige Arbeitsschritte entfernen
    • Feste Prozesse schaffen
    • Jeder muss im Lager alles finden können
    • Klare Zuständigkeiten schaffen
    • Schnittstellen- und Kommunikationsprobleme zwischen Lager und Büro lösen
    • Rechnungen und Lieferscheine digitalisieren (pdf versenden). So liegt die Arbeit auf Büroseite
    • Feste, kurze tägliche Kommunikation (5 Minuten Besprechung zu Arbeitsbeginn)
    • Optimale Ausnutzung der zur Verfügung stehenden Arbeits- und Lagerfläche

    Wo stehe ich aktuell, aus welcher Situation starte ich das Projekt? Welche Probleme haben wir?

    • Sammeln Sie zunächst alle Probleme und werten Sie diese aus
      • Befragen Sie Ihre Mitarbeiter, direkt oder anonym
      • Stellen Sie Mecker- und Ideenbriefkästen auf
      • Gehen Sie mit einem Auftrag wortwörtlich mit und schauen Sie sich die Laufwege an
    • Clustern Sie die Probleme (Probleme Lager, Probleme Büro, Probleme Schnittstellen…)
    • Legen Sie die Top 3 Probleme aus jedem Cluster/ Kategorie fest
    • Priorisieren Sie was sie zuerst und zuletzt lösen wollen/ können

    Nachdem Sie alle Probleme gesammelt und gruppiert haben, entsteht ein erster, zielführender Überblick Ihrer Ist-Situation. Nun müssen Sie einen Weg zu finden, der Sie von den Problemen zum Ziel führt. Die bisher genannten Projektziele sind noch recht allgemein und sollen Ihnen lediglich eine Orientierung geben. Erarbeiten Sie Ihre eigenen Ziele bzw. übernehmen Sie einige von den bereits aufgeführten Zielen als Meilensteine für Ihr Projekt.

    Meilensteine und Mini-Ziele definieren um die Probleme zu lösen:

    • Zeitstrahl aufzeichnen
    • Meilensteine (große Ziele) im drei monatigen Rhythmus definieren und einzeichnen
    • Je 1 Mini-Ziel pro Woche definieren

    Um die Probleme zu lösen, müssen Sie den Überblick behalten! Des Weiteren sollten Sie die Probleme in kleinen Einheiten angehen, so dass alle am Ball bleiben und den Fortschritt sehen. Ein erfolgsversprechendes Vorgehen hierfür ist, sich Meilensteine in drei monatigen Abständen zu setzen. „Was wollen wir in drei Monaten gelöst haben?“ Definieren Sie, nachdem Sie Ihre Meilensteine kennen, für jede der zwölf Wochen ein Mini-Ziel. So erhalten Sie zwölf kleine, überschaubare Ziele, die Sie den großen Meilenstein erreichen lassen. Sie kommen ihm Woche für Woche, zielgerichtet und mit Struktur näher. Mit je einem Mini-Ziele pro Woche bleibt zusätzlich die Erfolgskurve konstant und die Mitarbeiter bleiben motiviert. Nutzen Sie Ihre Kreativität und visualisieren Sie Ihren Plan über einen ansprechenden Zeitstrahl. Stellen Sie alles an einem Ort zur Verfügung, der für jede(n) im Unternehmen zugänglich ist.

    Tipp: Nutzen Sie den Besprechungsraum, in dem auch die tägliche 5 Minuten Besprechung zu Arbeitsbeginn erfolgt (siehe oben). Alle Kollegen*innen sehen so den täglichen Fortschritt. Auch können aktuelle Probleme, die die Zielerreichung gefährden, schnell und verbindlich gelöst werden. Kleine Probleme können so, gar nicht erst zu großen Problemen werden.

    Nun heißt es aufräumen und sich von Dingen trennen. Es geht an die praktische Umsetzung.

    Fleißarbeiten müssen erledigt werden:

    • Sortieren Sie aus und werfen Sie alles was im Lager nicht benötigt wird weg
    • Benötigtes bekommt einen festen, gekennzeichneten Platz (Leitern, Hubwagen, Kartons…)
    • Kennzeichnungen schaffen. Markieren Sie frei zu haltende Flächen zum Beispiel in rot
    • Markieren Sie Palettenstellplätze, Flächen für Packcontainer/- rollwagen
    • Kennzeichnen Sie Flächen für Retouren und bislang ungeprüften Wareneingang
    • Kennzeichnen Sie Räume, Gänge und Regale
    • Verkürzen Sie die Laufwege. Häufig genutzte Produkte gehören in Packplatznähe
    • Arbeitsplätze werden einheitlich strukturiert. Fester Ort für Abroller, Klebeband, Kartons
    • Nummerieren Sie alle Arbeitsplätze
    • Für die Ordnung am Arbeitsplatz ist je ein fester Mitarbeiter zuständig
    • Übertragen Sie alle Lagerorte in Ihre Warenwirtschaft

    Wie Sie sicherlich schon erkannt haben, sind die meisten der Arbeiten zeitintensiv und wirklich nervige und anstrengende Fleißarbeiten, ohne die es jedoch nicht geht. Arbeiten Sie sich durch, von grob zu fein. Vielleicht können Sie einige der Aufgaben auslagern, bzw. externe und temporäre Hilfe in Anspruch nehmen. In der letzten Phase, in der alle Lagerorte in die Warenwirtschaft übertragen werden müssen, können Sie ggf. eine(n) Schüler*in als Ferienjobber*in zur Hilfe nehmen.

    Wenn Strukturprojekte beendet wurden und endlich Ordnung ist, heißt es diese auch beizubehalten. Um das sicherzustellen, haben sich in meiner Praxis die folgenden Tipps als sehr hilfreich erwiesen.

    Tipps für die Projektzeit und den Alltag danach:

    • Positionen und Aufgaben wechseln (In den Schuhen des anderen stecken)
    • Konsequenzen im Team erarbeiten, so dass jeder seine Sachen in Ordnung bringt
    • In den täglichen 5 Minuten Meeting das folgende Format verwenden
      • Aus Fehlern lernen. Was ist am Vortag schief gelaufen, wie stellen wir das ab?
      • Best Practice: Wer etwas besonders gut kann, zeigt es den anderen
      • Anlieferungen für die Woche mitteilen (Bessere Planbarkeit)
    • Probleme ansprechen, nur so kann man als Team lernen
    • Meckerkasten/ Wunschbox, bereits erwähnt und wirklich zu empfehlen!

    Strukturprojekte ziehen sich oftmals über eine recht lange Phase, da diese Projekte vielfach mit internen Kapazitäten und Mitarbeitern, nebenbei durchgeführt werden. Auch ist die Unordnung über mehrere Jahre gewachsen und Ordnung schaffen dauert jetzt einfach seine Zeit. Aus meiner Sicht bietet es sich an, eine(n) externe(n) Projektleiter*in zu suchen, die/ der das Projekt vor Ort unterstützt und mit Ihren Mitarbeitern durchführt. Durch die Erfahrung des/ der externen Spezialisten*in verkürzen sich viele Tätigkeiten und es wird nur noch ein Teil Ihres Teams benötigt.

    Die Durchführung mit externer Hilfe kann wie folgt aussehen:

    Nachdem die Gedanken sortiert und die Projektarchitektur gemeinsam entwickelt wurde, können zusätzlich bestimmte Projektaufgaben durch die/ den externe(n) Projektleiter*in und zum Beispiel, ein bis zwei Student(en)*innen durchgeführt werden. In einem meiner Projekte ist der Kunde genau diesen Weg gegangen. Es handelte sich um die Strukturierung eines Außenlagers, mit dem Ziel dort Platz, Ordnung und Struktur zu schaffen, so dass in einem nächsten Schritt Überbestände aus dem Hauptlager dorthin umgelagert werden konnten. Im Hauptlager entstand so, der lange benötigte Platz für weiteres Wachstum.

    Egal ob Sie Projekte alleine oder mit externer Hilfe durchführen, grundsätzlich gilt:

    1. Gedanken sortieren
    2. Klarheit gewinnen
    3. Projektarchitektur aufbauen
    4. Projektleiter*in bestimmen die/ der den Fortschritt steuert

    Ich selbst habe in meiner Zeit als eCommerce Unternehmerin eine Mischung aus eigener Umsetzung und externer Unterstützung gewählt, ein sogenannter Hybridansatz. Ich habe das gesamte Lager- und Logistikprojekt in einem Workshop, gemeinsam mit einem externen Berater und einigen meiner Mitarbeiter*innen geplant. Bestimmte, abgeschlossene Teilaufgaben habe ich dann an den externen Berater übertragen. Das eigene Team hat ebenfalls einen Teil der Aufgaben übernommen. Das Ergebnis war eine stark verkürzte Projektlaufzeit, im Vergleich zu „alles selber machen“. Die Erfolge und die Entlastung waren durch dieses Vorgehen schneller zu verzeichnen und die Produktivität trat eher und spürbar ein.

    Kathrin Wortmann im Lager- und Logistikoptimierungs-Workshop
  • A+ Content: Wie Hersteller ihre Marke auf Amazon schützen

    A+ Content: Wie Hersteller ihre Marke auf Amazon schützen

    Wer auf Amazon.de nach dem Suchwort „Gucci“ sucht, erzeugt über 30.000 Suchtreffer – und das obwohl die Luxusmarke ihre Produkte gar nicht auf Amazon vertreibt. Das Beispiel illustriert, wie groß das Problem der Produktfälschungen auf dem weltgrößten Online-Markplatz ist. Hersteller, die ihre Produkte auf Amazon listen, kommen deshalb nicht darum herum, ihre Marke zu schützen. Ein Werkzeug im Kampf gegen Produktfälscher ist der „A+ Content“.

    Amazon selbst bietet Marken an, ihre Produkte mit erweiterten Inhalten zu präsentieren. Zu diesem A+ Content zählen der eigene Marken-Store für das Gesamtsortiment, eine eigene Landingpage sowie artikelspezifisch erweiterte Inhalte mit Bild- und Text-Content-Option. So können zum Beispiel Logos, Zertifikate und Produktionsnachweise oder Image-Texte zur Marke in die Produktbeschreibung eingefügt werden. Auch die Einbindung eines Videos ist möglich, um den Kunden an verschiedenen Touchpoints zu vermitteln, dass er hier bei der Originalmarke einkauft. Ein gutes Beispiel für die volle Nutzung der Möglichkeiten von Enhanced Branded Content bieten die Produktseiten der Pflegemarke Penaten.

    Unter dem Reiter „Produktbeschreibung des Herstellers“ bringt Penaten hier nicht nur eine ausführliche Beschreibung der gesuchten Pflegecreme unter, sondern platziert auch noch ein Logo, die Unterrnehmensphilosophie und einen nutzwertigen Info-Text zur Feuchtigkeitspflege bei Säuglingen.  Außerdem nutzt das Hersteller-Angebot die Produktdetailseite, um weitere Produkte aus seinem Pflegesortiment mit einer informativen Vergleichstabelle in Szene zu setzen.

    Zum Vergleich hier die Seite eines Dritt-Händlers, der ebenfalls einzelne Penaten-Produkte auf Amazon.de verkauft.

    Die Produktbeschreibung fällt hier deutlich spärlicher aus, insgesamt fehlt das Branding von Penaten. Dadurch wirkt die Produktdetailseite im Vergleich zum A+ Content des Herstellers lieblos und wenig vertrauenserweckend. Die starke Markenpräsenz im A+ Content gibt den Amazon-Kunden dagegen das sichere Gefühl, beim Original einzukaufen – und dem Hersteller die Möglichkeit, die eigenen Produkte mit Bildern, Videos und Texten fast wie in einem eigenen Online-Shop in Szene zu setzen.

    Erstaunlicherweise nutzen bisher selbst große Marken diesen Vorteil nicht vollständig aus. Hier empfehlen wir, sofort aktiv zu werden und die eigene Marke zu schützen. Denn so einen lohnenswerten Aufwand betreiben nur Originale und echte Marken. Und schon kleine Maßnahmen können auf den Produktseiten einen großen Unterschied machen.

    Sofortmaßnahmen in Sachen A+ Content:

    • Logo einsetzen
    • Bulletpoints nutzen, um Marke kurz vorzustellen
    • Zertifikate, Auszeichnungen erkennbar darstellen
    • (z. B. als Produktbild)
    • A+ Content nutzen, um Kundenservice, Sicherheit, Garantien deutlich zu benennen
    • Hochwertige Bilder und eigene Bildsprache entwickeln, um Transparenz und Sicherheit zu schaffen
    • Texte sinnvoll nutzen, um Herstellungsprozess,
    • Produktinformationen, USPs, Nutzen für den Kunden sowie die Geschichte der Marke darzustellen und Transparenz zu schaffen

    Fazit

    A+ Content und Marken-Stores helfen also nicht nur dabei Brand Building erfolgreich zu betreiben, sondern letztlich auch, um Produktfälschungen entgegenzutreten und den Kunden die Unterschiede zwischen Originalmarke und Fälschung zu verdeutlichen. Schon mit wenigen Maßnahmen können Hersteller hier große Effekte erzielen und die eigenen Produktseiten deutlich aufwerten.

    Übrigens, wer wissen möchte, wie man sich, als Hersteller oder Marke, sonst noch adäquat gegen Produktpiraterie und Markenklau schützen kann, findet im kostenlosen Whitepaper „Produktpiraterie – Verbreitung, Risiken und Bekämpfungsstrategien bei shopanbieter.de, viele wertvolle Tipps und Handlungsempfehlungen.

  • Amazon-Coaching-Programm „Unternehmerinnen der Zukunft“ geht in Runde 3 – jetzt bewerben!

    Amazon-Coaching-Programm „Unternehmerinnen der Zukunft“ geht in Runde 3 – jetzt bewerben!

    Aufgrund der positiven Resonanz, dem nachhaltigen Erfolg der Teilnehmer der letzten Jahre und dem großen Interesse, hat sich Amazon entschieden, das Förderprogramm „Unternehmerinnen der Zukunft“ (UdZ) auch dieses Jahr wieder aufzulegen. MarktPlatz1 freut sich, dass mit Klaus Forsthofer und Peter Höschl gleich zwei Coaches von MarktPlatz1 wieder mit dabei sind. Und das schon seit der ersten Runde des Coachingprogrammes und mit einer unglaublichen Erfolgsquote, was ihre Mentees anbelangt.

    Unternehmerinnen, die erstmals den Schritt von der stationären in die Online-Verkaufswelt wagen wollen oder ihre Online-Aktivitäten erweitern möchten, können sich bei Amazon bewerben. Dieses Mal werden vor allem Bewerberinnen aus dem ländlichen Raum gesucht, egal ob aus Deutschland oder Österreich.

    Unter allen Bewerbungen werden 20 Teilnehmerinnen ausgewählt, die ein halbes Jahr von Experten-Coaches und Kooperationspartnern begleitet und unterstützt werden, um die Markenbekanntheit ihrer Unternehmen zu erhöhen, Prozesse zu optimieren und ihre Kunden durch digitalen Handel zu erreichen.

    Die Teilnahme am Coachingprogramm ist in jedem Fall ein Gewinn, daher schnell bewerben bis spätestens 28. Februar 2019 auf https://unternehmerinnenderzukunft.de

  • Interview mit Pietro Otto und Qendrim Ademi vom Conrad Marketplace

    Interview mit Pietro Otto und Qendrim Ademi vom Conrad Marketplace

    Als Marktplatz-Agentur beobachten wir natürlich den gesamten Marktplatz-Commerce, denn neben dem Marktführer Amazon und trotz Konsolidierungstendenzen im Markt gibt es nach wie vor noch etliche weitere, oft kleinere oder auch neue Marktplätze. Immer öfter beobachtet man auch die Öffnung von Onlineshops für Drittanbieter als Marktplatz, wie es Amazon im Jahr 2000 vorgelebt hat und so wie beispielsweise Otto oder Zalando.

    Heute möchten wir Euch ein weiteres Beispiel eines interessanten Marktplatzes vorstellen: Den Conrad Marketplace. Im Juni 2017 ging die Beta-Version mit ersten Sellern (Händlern) online. In unserem Update-Interview verraten uns Pietro Otto, Senior Director Marketplace bei Conrad, und Qendrim Ademi, Marketplace Development Expert bei Conrad, wie es aktuell läuft und wie man Marketplace-Händler bei Conrad werden kann.

    Wieviele Händler verkaufen schon auf dem Conrad Marketplace?

    Pietro Otto: „Im April dieses Jahres verkauften über 50 externe Partner über den Conrad Marketplace, mittlerweile sind 90 Partner auf der Plattform aktiv. Und dann schieben wir aktuell noch eine lange Pipeline mit weiteren 80 Partnern vor uns her, die auf ihr Onboarding warten. Wir kommen aufgrund interner Kapazitäten aktuell kaum hinter der Nachfrage her. Das Interesse im Markt war auf Partnerseite von Anfang an enorm.“

    Wie wird man Conrad Marketplace-Händler?

    Qendrim Ademi: „Wichtig ist uns, dass unsere Partner ISO-9001-zertifiziert sind bzw. bei fehlender Zertifizierung vom Conrad Marketplace Team auditiert werden. Außerdem suchen wir Verkäufer mit einem großen Sortiment, weil wir ein möglichst breites Angebot mit möglichst wenigen Händler abdecken wollen. Die ausgewählten Händler müssen zudem schnell liefern können – in spätestens 48, besser in 24 Stunden will Conrad jede Bestellung zum Kunden gebracht haben – außer bei fest angegebenen Lieferzeiten. Auch deshalb wollen wir einen persönlichen Kontakt zu jedem neuen Partner aufbauen – auch wenn die Warteliste im Nacken drückt. Das ist unverzichtbar, um das Qualitätsversprechen von Conrad auch mit der neuen Plattform einhalten zu können.“

    Welche Vorteile hat man als Händler auf dem Conrad Marketplace?

    Pietro Otto: „Unsere Partner haben Preishoheit über ihre Angebote und wir reden ihnen auch bei der Sortimentsgestaltung nicht rein. Sie können auch Produkte anbieten, die auf dem Marktplatz bereits gelistet sind – auch solche, die Conrad selbst anbietet. Wir kommunizieren ganz klar: Wenn Conrad ein Produkt anbietet, kommt das Conrad-Angebot in die Buy Box – die günstigeren Angebote anderer Händler werden zusätzlich auf der Produktseite angezeigt. Wenn Conrad ein Produkt nicht führt, dann schafft es der Marketplace-Partner mit seinem Angebot in die Buy Box, der eine Mischung an Anforderungen erfüllt – und diese Mischung legen wir immer offen. Jeder Händler kann genau nachlesen, wie er es mit seinen Produkten in die Buy Box schafft.“

  • Seattle is in the books – So war die zweite #UdZ-Gewinnerreise zum Amazon-Headquarter

    Seattle is in the books – So war die zweite #UdZ-Gewinnerreise zum Amazon-Headquarter

    Zum zweiten Mal fand das Amazon #UdZ-Programm statt, in diesem Jahr sogar als Sonderausgabe für Unternehmerinnen („Unternehmerinnen der Zukunft“). Initiiert von Amazon Deutschland, Brigitte, Global Digital Women und dem Verband deutscher Unternehmerinnen bewarben sich Ende 2017 zahlreiche Business-Women. 20 wurden für das Programm ausgewählt, 4 haben gewonnen. Die Gewinnerinnen durften zum Abschluss ihrer erfolgreichen Leistung zusammen mit ihren Coaches in das Amazon Headquarter nach Seattle reisen.

    Stellen wir unsere Reisegruppe kurz vor: Coach Peter Höschl von shopanbieter.de konnte gleich zwei Damen als Gewinnerinnen mitnehmen, Julia Ritter von desiary.de und Ines Spanier von farmtex. Klaus Forsthofer (MarktPlatz1) begleitete uns mit Mentee Katrin ten Eikelder von The Knots. Und Claudia Wendt von Heizungsdrache trat ebenfalls die Gewinnerreise an, zusammen mit mir als Coach, Julia Tschawdarow von RatePAY. Nicht fehlen durften dabei natürlich die Initiatoren von Amazon: Franziska Helmetsberger – ein riesen Dankeschön an dieser Stelle für die ganze Organisation – und Veronika Leitermann.

    In Seattle erwartete uns ein abwechslungsreiches Programm. Nach der Anreise und dem Willkommensdinner am Montag starteten wir am Dienstag mit der Tour durch das Amazon Headquarter.

    Dabei erfuhren wir Beeindruckendes: Mitten in Seattle Downtown sitzen rund 40.000 Amazonians in über 30 Gebäuden. Die Hochhäuser sind modern und ohne sichtbares Branding. Kein Amazon-Logo weit und breit. Neben „Day One“ tragen die Gebäude schöne Namen wie Houdini, Doppler oder Rufus. Alles wirkt offen und einladend. Lokale Restaurants und Café bevölkern die untersten Etagen. Natürlich ist auch Amazon Go dabei.

    Ganz neu zu besichtigen ist „The Spheres“, eine Art Gewächshaus. Bei hoher Temperatur und Luftfeuchtigkeit beherbergen die drei kugelförmigen Glasgebilde neben dutzenden Pflanzen Plätze zum Meeten und Erholen. Zum Abschluss der Tour durften wir zwei deutsche Amazon-Managerinnen kennenlernen: Sonja Methling (Director Business Operations, Softlines Leadership) und Andrea Euenheim (Director, Global Expansion, Mergers & Acquisitions HR), die unsere Mentees im Hinblick auf Empowerment und Leadership stärkten.

    Nachmittags hieß es dann „Touri-Programm“ pur. Mit einem Amphibienfahrzeug von „Ride the Duck“ ging es quer durch die Stadt und über das Wasser. Seattle ist recht überschaubar mit seinen ca. 700.000 Einwohnern. Sehenswert für Seattle-Neulinge ist der Pike Place Market am Wasser. Etwas außerhalb der Stadt sind die anderen Tech-Giganten zu finden: Facebook, Microsoft und Google. Nicht zu vergessen ein weiterer Gigant: das Starbucks-Headquarter und die gefühlt 5000 Starbucks-Filialen (ich habe nicht gezählt ;-)).

    Unser Mittwoch stand ganz im Zeichen von Amazon und es war sicherlich der anstrengendste Tag. Wir drückten die Schulbank und besuchten zahlreiche Workshops. Den Anfang machte Nicholas Denissen, VP Marketplace Business, den wir schon während des Programms in Deutschland kennenlernen durften. Er erläuterte die Vision von Amazon und nahm uns mit auf eine Reise, bei der der Kunde im Fokus steht.

    Workshop Amazon Business: Das im April 2015 in den USA gestartete Projekt ist seit 2016 auch in Deutschland verfügbar. Der Marktplatz für Geschäftskunden unterscheidet sich dahingehend, das typische Funktionen für den B2B-Bereich eingerichtet sind. So werden z.B. die Rechnungen automatisiert von Amazon erstellt, was Fehler beim Ausweisen der Umsatzsteuer vermeiden soll. Auch werden zusätzliche Zahlungsarten, wie der Kauf auf Rechnung, angeboten, eine typische Bezahlweise im B2B-Geschäft.

    Workshop Amazon Exclusives: Das Programm unterstützt die Seller beim Markenaufbau. Uns wurden diverse Tools vorgestellt, um neue Produkte auf den Markt zu bringen, die Reichweite zu erhöhen, neue Kunden zu akquirieren und Marktlücken aufzudecken. Hier können wir von den Amerikanern noch so einiges Lernen, Stichwort Selbstdarstellung und Selbstvertrauen. Zu jedem Produkt gehört auch eine gute Geschichte, das verkauft sich besser!

    Workshop Global Selling: Amazon Marktplätze gibt es in 12 Ländern (USA, Kanada, Mexiko, United Kingdom, Germany, France, Italy, Spain, China, Japan, Indien und Australia). Im Fokus des Workshops stand die Expansion unserer #UdZ-Seller ins englischsprachige Ausland. Wir bekamen eine Anleitung zur Registrierung, Infos zu „Brand and Safety Gating“, Logistik und weitere länderspezifische Anforderungen.

    Abschluss des intensiven Tages bildete das Treffen mit echten US-Händlern. Pete Sauerborn (VP Seller Recruitment & Development) und sein Leadership-Team begleiteten den Austausch und beantworteten alle Fragen der deutschen und amerikanischen Seller.

    Donnerstag besuchten wir eines der Fulfillment Center. Aus dem ehemaligen Buchhandel ist ein Marktplatz mit Millionen Produkten geworden. Zum Einsatz kommen in den Fulfillment Centern die Robotics. Das sind kleine mobile und voll automatisierte Roboter, die die Warenregale von A nach B bewegen. Trotz der Roboter arbeiten auch Menschen in den Centern, und das nicht wenige. Sie entnehmen die Waren aus den mobilen Regalen und schicken sie über verschiedene Stationen in die Welt hinaus.

    Alles in allem war es ein sehr inspirierende und motivierende Woche. Unsere Seller haben viel mitgenommen, nicht zuletzt viele neue Aufgaben und Learnings, die es gilt umzusetzen. So heißt es nun für unsere Kandidatinnen: Expansion, Bewerbung für neue Amazon Programme, Selbstpräsentation und Storytelling. Wir erhielten einen sehr faszinierenden Einblick, mit welchen Themen sich Amazon gerade beschäftigt. Ein Beispiel: Customer Experience. Hier wird noch einiges kommen. Aber so viel können wir sagen: Es bleibt spannend und die Geschichte von Amazon ist noch lange nicht zu Ende geschrieben.

    Ach ja, die Space Needle haben wir natürlich auch besichtigt, mit meinem persönliches Lieblingsfoto :-)

     

  • Amazon-Konferenz AMZ4brands in München – Geballtes Know-How für Hersteller, Marken und Seller mit Eigenmarken

    Amazon-Konferenz AMZ4brands in München – Geballtes Know-How für Hersteller, Marken und Seller mit Eigenmarken

    Marken und Eigenmarken sind besonders in Bezug auf Amazon wichtiger denn je, um sich vom Mitbewerb abzuheben oder dem reinen Preiskampf um die Buy-Box zu entfliehen. Selbst Amazon geht mit mittlerweile über 35 Eigenmarken immer öfter den Weg mit eigenen Brands. Wie sollen Hersteller und Markenvertreter mit Amazon umgehen? Welche Chancen und Risiken bietet Amazon für traditionelle und für junge Marken? Wie hat sich Brandbuilding und Markenarbeit mit und durch Amazon verändert und wie kann man darauf reagieren bzw. es für die eigene Marke erfolgreich nutzen?

    Für Hersteller, Markenvertreter und Seller mit Eigenmarke liefert die neue Spezial-Konferenz „AMZ4brands“ genau die richtigen Antworten auf diese Fragen. Viele renommierte Amazon-Experten zeigen am 06.11.2018 in praxisorientierten Vorträgen Probleme und Lösungen für Marken und Hersteller auf: Unter anderem Deutschlands bekanntester Amazon-SEO-Experte Christian Otto Kelm, AMALYZE-Chef Michael Gabrielides oder Brandbuildingprofi Bernhard Rauscher. Wir freuen uns, dass wir als MarktPlatz1 auch unseren Beitrag zur Konferenz leisten dürfen: Einerseits durch Vorträge von Klaus Forsthofer und Peter Höschl sowie einigen Netzwerkpartnern wie Constanze Wolff, andererseits darf ich den Conference Day moderieren und am Vendor Training Day mit dabei sein.

    Das gesamte MarktPlatz1-Kernteam wird vor Ort sein und wir freuen uns, den einen oder anderen von Euch dort zu treffen. Wir haben natürlich auch einen Rabattcode für Euch: Mit dem Code „MarktPlatz1“ bekommt ihr 10% auf alle Tickets! Infos und Ticketbuchung hier: www.amz4brands.de

    Bei Fragen zur Konferenz stehen wir Euch natürlich jederzeit zur Verfügung, via E-Mail an kontakt@marktplatz1.com oder gerne auch über unsere Facebook-Seite! Dort verlosen wir übrigens aktuell 2 Konferenztickets, also schnell mitspielen!

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