Amazon 2018: Was Seller und Vendoren auf Amazon dieses Jahr erwartet

2017 war für Seller und Vendoren, aber vor allem auch für Amazon selbst ein spannendes Jahr – ebenso für uns als Marktplatz-Agentur. Größtes Highlight für uns war der Gewinn beim Amazon-Wettbewerb „Unternehmer der Zukunft“ in der Kategorie „Export/Internationalisierung“ mit Madame Jordan, die durch unseren Klaus zum Sieg „gecoacht“ wurden.

Doch auch 2018 verspricht viel Spannendes, Neues und sicher auch Aufregendes. Wagen wir einen Blick in die Glaskugel! Wir haben Gerüchte und offizielle Infos genauso wie erkennbare Entwicklungen gesammelt und möchten Ihnen unseren Ausblick auf das Amazon-Jahr 2018 bieten.

1. Internationalisierung wird weiter gespielt

Die Vision von Amazon, dass jeder Händler weltweit verkaufen kann, wird 2018 weiter vorangetrieben. So sind im Unified-Selleraccount bereits 4 Regionen sichtbar: Nord-Amerika, Europa (mit 5 verschiedenen Unter-Marktplätzen), Indien und Japan. Insbesondere, dass Indien jetzt bereits bespielbar geworden ist, zeigt, wie ernst Amazon seine Marktplatzstrategie nimmt. Auf diesem Marktplatz verzichtet Amazon erstmal auf Eigenangebote (Vendor) und geht erstmals nur als Marktplatz (mit Seller Central) an den Start.

Im kleineren Kreis wird wohl die Schweiz logistisch durch amazon.de erschlossen werden. Auch könnte es sein, dass wir 2018 einen oder zwei neue Marktplätze in der EU sehen könnten. Auch werden die eigenen Produkte für Kunden aus aller Welt (mit Angabe von Transport- bzw. Zollkosten) bestellbar werden.

Dass aber Internationalisierung mehr bedeutet, als Häkchen in Seller Central zu setzen, wissen alle, die diesen Schritt bereits gewagt haben. Insbesondere steuerrechtlich sind dabei eine Menge Punkte zu beachten.

2. Ehrlich währt am längsten – Das Jahr der Richtliniendurchsetzung im Katalog durch den smarteren A9-Algorithmus

Wir glauben, dass Amazon immer schneller, konsequenter und treffsicherer gegen Richtlinienverstösse vorgehen wird. Dies liegt auch an neuen smarten Algorithmen, die wahrscheinlich automatische Überprüfungen durchführen, z.B. für die Einhaltung der Bildrichtlinien, Titellängen, Keywords etc.

Dazu kommt ein Produktbewertungsupdate, das vermutlich auch bald in Deutschland ausgerollt wird. Fake-Bewertungen (sowohl Positive als auch Negative) werden 2018 weiter erschwert bzw. eingeschränkt. Manchmal sieht man schon jetzt bei amazon.com, dass gefälschte Produktbewertungen, die entsprechend als solche erkannt wurden, einfach nicht mehr angezeigt werden. Das ist jedenfalls eine sehr gute Nachricht für alle, die sich in den letzten Jahren über unfaire Methoden von Wettbewerbern geärgert haben, selbst aber sauber geblieben sind. Dies treibt auf jeden Fall die Kosten und mindert die Investitionssicherheit für nicht richtlinienkonforme Maßnahmen. Bleibt zu hoffen, dass Amazon bald mehr Lösungen und Tools zur richtlinienkonformen Produktbewertungsgenerierung durchsetzen kann.
Gefühlt scheint es auch so zu sein, dass wegen eines einzelnen, zu beanstandenden Produktlistings nicht mehr sofort der ganze Selleraccount stark gefährdet ist. Immer öfter werden aber auffällige Einzellistings dauerhaft blockiert bzw. beispielsweise bei zu hoher Rücksendequote temporär deaktiviert.

3. Kooperation mit den Steuerbehörden

Wir erinnern uns an das Jahr 2017 und die Kooperation von Amazon mit britischen Steuerbehörden sowie die Durchsetzung von UK-Umsatzsteuernummern. Seit Ende 2017 wissen wir, dass die deutschen Steuerbehörden Beschlagnahmungen von Artikeln chinesischer Händler in deutschen FBA-Lägern durchgeführt haben. Viele chinesische Accounts wurden suspendiert bzw. deren Guthaben von der deutschen Finanz eingefroren. Die umsatzsteuerliche Durchsetzung durch den Gesetzgeber ist also auch bei Amazon angekommen. Auch hier können sich alle richtlinienkonformen Händler nun freuen, dass dieser Wettbewerbsverzerrung ein Ende gesetzt wurde. Eventuell sehen wir bald, dass Amazon die Umsatzsteuer der Marktplatzhändler direkt zur Weiterleitung an die Finanzämter einbehält. Gerade hier eine Win-Win-Win-Lösung zu schaffen, müsste eigentlich im Sinne aller Beteiligten sein. Oft ist es für kleine Anbieter aber eine echte Herausforderung, die komplexen Warenströme umsatzsteuerlich korrekt abzubilden. Meiner persönlichen Meinung nach müsste das ein Meilenstein auf dem Weg zur Amazon-Vision der weltweiten Verkaufsmöglichkeit aller Händler sein, auch wenn ich verstehen kann, dass man sich als Marktplatz versteht und damit nicht in Verbindung gebracht werden möchte.

4. Alexa und Echo werden wichtig

Bei der Durchsetzung von sprachgesteuerten Smart-Home-Assistenten hat Amazon seinen Hauptwettbewerber Google stark abgehängt. Wir glauben aber nicht, dass der Innovationsdruck hier nachlassen wird. Im Gegenteil, 2017 war das erste echte Alexa-Jahr. Ich bin mir sicher, dass wir viele spannendende Skills sehen werden und auch Alexa eine Art eigenes Ökosystem abbilden wird.

5. Geschützte Eigenmarken werden für Händler noch wichtiger

Mit dem neuen Markenregistrierungsprozess 2017 hat Amazon schon ein Statement im Bezug auf Eigenmarken gesetzt. Nun ist es tatsächlich nur noch für die Markeneigentümer selbst möglich, eine Marke bei Amazon zu hinterlegen. Praxistipp: Am besten die entsprechende EU-Wortmarke in der EU registrieren!

Auf dem Marktplatz werden die Produktlistings immer umkämpfter, mehr Spieler aus den unterschiedlichen Handelsstufen werden via Seller und Vendor teilnehmen und es wird mehr Cross-Produktlieferungen geben, was bis jetzt nur eingeschränkt der Fall sein dürfte.

6. Amazon Business ist im ersten Produktivjahr angekommen

Das Programm hat zu Unrecht im zweiten Halbjahr 2017 etwas an öffentlicher Aufmerksamkeit eingebüßt. Es gibt mittlerweile über 150.000 registrierte Businesskunden auf amazon.de mit hohem Upliftpotenzial. Insbesondere werden wir immer öfter Großunternehmen sehen, die via ERP-System bei Amazon Business bestellen. Hier werden im Jahr 2018 sicherlich so einige weitere Big Accounts hinzugefügt werden. Hier ist der Wettbewerb der qualifizierten Händler auch noch nicht ganz so groß, da hohe Anforderungen an die Verkäufer gestellt werden.

7. Amazon öffnet stationäre Wege

Der Chef von Amazon Deutschland, Ralf Kleber, hat Ende 2017 angekündigt, dass die stationäre Präsenz von Amazon in Deutschland keine Frage des „Ob“, sondern nur des „Wann“ sei. In den USA ist es ja schon Realität: „Amazon Go“, in Seattle als Pilotprojekt oder Testballon eines kassenlosen Supermarktes präsentiert, wird heuer wohl weitere Filialen bekommen. Mit dem Kauf der US-Bio-Supermarktkette „Whole Foods“ hat sich Amazon in den stationären Handel eingekauft und man munkelt, dass es auch Übernahmekandidaten in der EU gibt. Auch die Amazon Bookstores werden weitere stationäre Verbreitung finden.

8. Viele neue Amazon-Eigenmarken

Amazon Basics kennen die meisten Leser. Das eigene Label für günstige Elektronikartikel hat sich für viele Konsumenten zu einer vertrauten Marke entwickelt und Traffic v.a. von chinesischen Billiganbietern okkupiert. 2017 kamen Eigenmarken wie „find.“ (Fashion) dazu. Heuer wird Amazon den Eigenmarkenaufbau wohl noch stärker vorantreiben, es wird spannend welche Branchen es heuer betreffen wird. Die entsprechenden Traditionsmarken sollten sich auf jeden Fall auf frischen Gegenwind durch die Amazon-Eigenmarken vorbereiten.

9. Logistikausbau inklusive der „letzten Meile“

Wer bei Amazon Fresh oder Prime Now über die Ein-Stunden-Lieferung ein Produkt bestellt, bekommt die Lieferung im Normalfall schon von der Amazon-eigenen Lieferflotte zugestellt. Egal ob Zustellung durch Drohnen, Roboter oder andere zukunftsträchtige Liefertechnologien, Amazon möchte sein Kundenversprechen und die Zufriedenheit seiner Kunden auch auf der „letzten Meile“ sicherstellen und vertraut hier langfristig nur sich selbst.

10. Einstieg ins europäische (Giro-)banking?

Ein kostenloses Girokonto von Amazon für alle Prime-Mitglieder? Was in den USA via Kreditkarte abgewickelt wird, passiert in der EU oft via Debitkonto.

Da Amazon 2017 ein starkes Kreditkartenangebot für US-Nutzer etabliert hat, könnte man annehmen, dass der Einstieg ins Banking (auch in Europa) ein logischer nächster Schritt sein könnte. Dass Amazon bei den Verkäufern bereits als Zahlungsdienstleister fungiert, bedeutet, dass sehr viele Bankingprozesse schon in Amazon integriert sein sollten. Wie weit ist es da noch zum erweiterten Angebot? Eventuell sehen wir das aber in kleineren Etappen, z. B. in Form von Finanzierungsangeboten für Produkte bzw. Vorschusszahlungen für Händler, bevor es breit ausgerollt wird. Meiner persönlichen Meinung nach die perfekte Ergänzung für eine Primemitgliedschaft!

Unser Ausblick auf 2018 erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wir freuen uns sehr über zusätzlichen Input und Ideen unserer Leser, was Amazon dieses Jahr an Neuigkeiten und Veränderungen bringen wird.

Am Ende haben wir noch eine interessante Infografik über Amazons Entwicklung und die verschiedenen Instanzen, über welche Amazon Geld verdient:

How Does Amazon Make Money?

https://www.shopanbieter.de/news/archives/12886-amazon-in-der-glaskugel-8-vorhersagen-fuer-2018.html

Klaus Forsthofer

Klaus Forsthofer

Klaus Forsthofer ist Mitbegründer der deutschen ACE Handels- und Entwicklungs GmbH und seit über 5 Jahren erfolgreicher Amazon Anbieter in Europa und Nordamerika. Davor war Klaus bei IBM Learning Services in Wien und dort Trainer für Microsoft-Serverlösungen. 2017 wurde er offizieller Amazon-Coach im Amazon-Programm "Unternehmer der Zukunft" und hält Vorträge, Workshops und Schulungen für Amazon. Er ist Managing Partner von Marktplatz1 und Autor des Marktplatz1-Blogs mit dem Schwerpunkt Amazon.
Klaus Forsthofer

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